Nauwieser Viertel Fest 1985 im  Nauwieser Viertel Saarbrücken Saarland

Die frühen Jahre des Nauwieser Festes von 1983 bis 1992

Mehrere Feste mit ähnlichen Namen

Die Geschichte des Nauwieser Festes ist komplizierter, als es die wechselnden Bezeichnungen in einigen Zeitungsartikeln zunächst vermuten lassen. Begriffe wie „Nauwieser Straßenfest“, „Nauwieser Fest“, „Nauwieser Sommerfest“ und „Nauwieser-Viertel-Fest“ wurden nicht immer eindeutig verwendet. Zeitweise fanden sogar unterschiedliche Veranstaltungen mit ähnlichen Namen statt, die von verschiedenen Gruppen organisiert wurden.

Eine Veranstaltungsreihe wurde vor allem von Anwohnern, Geschäftsleuten und später der Nauwieser Aktionsgemeinschaft getragen. Daneben organisierten Gruppen aus dem Umfeld der Alten Feuerwache, des Jugendzentrums und selbstverwalteter Projekte eigene Feste und Kulturveranstaltungen. Für Besucherinnen und Besucher waren diese Unterschiede nicht immer erkennbar.

Ein möglicher Vorläufer auf dem Gerberplatz

Nach Aussagen einer Zeitzeugin könnte es bereits vor den ersten dokumentierten Straßenfesten Vorläufer gegeben haben. Ulrike ..., die zu den Initiatorinnen des Saarbrücker Altstadtfestes gehörte, berichtete, dass bereits 1979 oder 1980 auf dem Gerberplatz ein eigenes Nauwieser Viertel Fest gefeiert worden sei. Dieses habe sich bewusst vom Altstadtfest abgrenzen wollen und den Charakter des Viertels stärker in den Mittelpunkt gestellt.

Schriftliche Belege für diese frühen Veranstaltungen konnten bislang jedoch nicht gefunden werden. Die bisher bekannten Zeitungsartikel setzen erst 1983 mit dem ersten nachweisbaren Nauwieser Straßenfest ein. Weitere Recherchen sollen klären, ob sich die Erinnerung durch zeitgenössische Quellen bestätigen lässt.

Das erste Nauwieser Straßenfest 1983

1983 veranstalteten Anwohner und Geschäftsleute das erste Nauwieser Straßenfest. Organisiert wurde es von der Interessengemeinschaft „Straßenfest im Nauwieser Viertel“. Gefeiert wurde unmittelbar in den Straßen des Viertels. Neben Essen und Getränken gehörten Musik, Theater, Aktionen und zahlreiche Begegnungsmöglichkeiten zum Programm.

Das Fest wurde gut besucht, brachte finanziell jedoch nur einen vergleichsweise kleinen Überschuss ein. Der Reingewinn betrug rund 1.700 DM und wurde der SZ-Aktion „Hilf mit“ gespendet. Das zeigt, dass das Fest nicht in erster Linie als kommerzielle Veranstaltung gedacht war.

Zwei verschiedene Veranstaltungen im Jahr 1984

1984 folgte das zweite Nauwieser Straßenfest der Interessengemeinschaft. Der Gewinn sollte dem Baby-Rettungswagen des Malteser-Hilfsdienstes sowie einem Unfall- und Hilfsfonds zugutekommen.

Parallel dazu fand im Hof der Alten Feuerwache ein eigenständiges Nauwieser Fest statt. Hinter dieser Veranstaltung standen überwiegend Gruppen aus dem Umfeld des Alten Feuerdrachen und des Jugendzentrums. Ursprünglich war eine gemeinsame Veranstaltung mit dem Straßenfest der Geschäftsleute vorgesehen. Dessen Organisatoren lehnten eine Zusammenlegung jedoch ab. Daraufhin wichen die freien Kultur-, Jugend- und Projektgruppen in den Hof der Alten Feuerwache aus.

Dort beteiligten sich rund 20 Gruppen an einem Programm mit Musik, Theater, Literatur und Angeboten für Kinder. Genannt werden unter anderem der Alte Feuerdrache, das Jugendzentrum, das Theater Überzwerg sowie verschiedene Musik- und Theatergruppen. Obwohl es sich organisatorisch um zwei getrennte Feste handelte, wechselten viele Besucher zwischen den Veranstaltungsorten und nahmen beide Angebote offenbar als gemeinsames Festgeschehen wahr.

Projektmesse und Nauwieser Sommerfest im Juni 1985

Ein Prospekt zur ersten saarländischen Projektmesse vom 9. Juni 1985 nennt als Veranstaltungsort das „Nauwieser Fest“ in der Nähe der Alten Feuerwache. Darin wird das Fest ausdrücklich als eine Veranstaltung beschrieben, die „in diesem Sommer zum wiederholten Mal stattfindet“. Dies ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass sich dort bereits vor Juni 1985 eine eigenständige Veranstaltungsreihe etabliert hatte.

Die Projektmesse bildete den ganzen Tag über den Mittelpunkt des Festes. Veranstaltet wurde sie vom Alten Feuerdrachen e. V. und dem Arbeitskreis selbstverwalteter Betriebe. Zahlreiche Initiativen aus dem sozialen und kulturellen Bereich präsentierten sich mit Informationsständen, während Musik- und Theatergruppen das Programm gestalteten.

„Das Nauwieser Fest, welches in diesem Sommer zum wiederholten Mal stattfindet, soll einen gemütlichen und bunten Rahmen für diese Projektmesse bilden. Beim Nauwieser Fest werden den ganzen Sonntag über verschiedene Musik- und Theatergruppen auftreten und sich viele Initiativen aus dem sozialen und kulturellen Bereich mit Ständen in den Straßen vorstellen. Für Bewirtung mit Essen und Trinken ist gesorgt.“

Wegen schlechten Wetters mussten Teile des Kulturprogramms kurzfristig in das Jugendzentrum verlegt.

Das dritte Straßenfest im August 1985

Vom 2. August 1985 an fand eine weitere Veranstaltung statt, die in der Presse als „Nauwieser-Viertel-Fest“ bezeichnet wurde. Zugleich hieß es, die Aktionsgemeinschaft lade bereits zum dritten Mal ein. Damit knüpfte dieses Fest offenbar an die Straßenfeste von 1983 und 1984 an.

Das Fest sollte etwa 14.000 DM kosten. Die Stadt stellte nur begrenzte Unterstützung in Aussicht und verlangte, dass die Musik weitgehend ohne elektrische Verstärkung auskam. Deshalb waren vor allem leisere und akustische Auftritte vorgesehen.

Zum Programm gehörten Trödel- und Informationsstände, Essen, Straßentheater, Lesungen, Musik und ein Kellnerrennen. Im Bereich der damaligen Pfeffermühle, heute Mono, fanden Theateraufführungen und Vorführungen im Wing Chun statt. Schick-Schock zeigte eine Mode-Performance, außerdem traten Sanggar Citra Tari und weitere Gruppen auf. Auch das Studiotheater war beteiligt.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf Angeboten für Kinder. Rund 70 Prozent der Stände sollten von Menschen, Gruppen oder Betrieben aus dem Viertel gestaltet werden. Professionelle Marktstände wurden nicht zugelassen. Das Fest sollte sich damit bewusst von großen, stark kommerziell geprägten Stadtfesten unterscheiden.

Das Nauwieser Kultur-Forum

Im Jahr 1985 wurde das Nauwieser Kultur-Forum e. V. gegründet. Dem Vorstand gehörten Andreas Wagner, Gerd Bergmann und Gerd Horn an. Das erste große Projekt des jungen Vereins war das Nauwieser-Viertel-Fest.

Der Verein wollte das kulturelle Leben im Viertel fördern und möglichst viele Bewohner, kleine Betriebe, Gaststätten, Künstler und Initiativen einbeziehen. Das Fest sollte ausdrücklich kein zweites Altstadtfest werden. Statt großer kommerzieller Anbieter sollten Kleinkunst, Nachbarschaft, ungewöhnliche Aktionen und die kulturelle Vielfalt des Viertels im Mittelpunkt stehen.

Andreas Wagner, Betreiber des Café Max, war über viele Jahre eng mit der Organisation und Gestaltung des Festes verbunden. Auch Gerd Bergmann begegnet uns in den folgenden Jahren immer wieder als Ansprechpartner der Veranstalter.

Neustart nach einer Unterbrechung

Ein Zeitungsbericht aus dem September 1988 spricht davon, dass nach längerer Zeit wieder ein Straßenfest ins Leben gerufen worden sei. Als Initiatoren werden Roland Brycz und Gabi Anders genannt. Daraus lässt sich schließen, dass die frühere Veranstaltungsreihe zwischenzeitlich unterbrochen oder zumindest nicht mehr in derselben Form fortgeführt worden war.

Das neue Fest sollte erneut Anwohner, ansässige Kleinbetriebe, soziale und kulturelle Projekte sowie die umliegenden Gaststätten miteinander in Kontakt bringen. Die Finanzierung erfolgte weitgehend ohne städtische Unterstützung.

Der Max-Ophüls-Platz wird zum Festplatz

Der heutige Max-Ophüls-Platz wurde ab 1988 neu gestaltet. Im Mai 1989 erhielt der südliche Teil des früheren Nauwieserplatzes seinen heutigen Namen. Zeitungsartikel, in denen ausdrücklich der Max-Ophüls-Platz genannt wird, können daher frühestens aus dem Jahr 1989 stammen.

In den folgenden Jahren wurde der Platz zu einem wichtigen Veranstaltungsort des Nauwieser Festes. Dort fanden Konzerte, Kleinkunst, Straßentheater und weitere Programmpunkte statt. Weitere Bühnen und Aktionsflächen lagen in der Nauwieserstraße, der Cecilienstraße und angrenzenden Bereichen.

Kultur, Nachbarschaft und wenig Kommerz

Die Berichte aus den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren zeigen ein Fest mit Straßenkunst, Musik, Theater, Lesungen und ungewöhnlichen Mitmachaktionen. Wiederholt genannt werden unter anderem Schick-Schock, Rockin’ Eckstein, Samba o’ Leck, der Zirkus Straßenstaub sowie zahlreiche regionale und internationale Künstler.

Michael Seibel übernahm später als Regisseur die gestalterische Leitung des Festes. Als Leitidee galt: mehr Kultur, weniger Kommerz und eine eigene Identität. Auch die Einbeziehung des Max-Ophüls-Platzes spielte dabei eine wichtige Rolle.

Kritik an der Entwicklung im Jahr 1990

1990 kam es zu deutlicher Kritik aus Teilen der alternativen Szene. Beanstandet wurden eine zunehmende Zahl auswärtiger Händler, der wachsende kommerzielle Charakter und ein nachlassender Bezug zum Viertel.

Der ursprüngliche Anspruch sei gewesen, ein Fest von Bewohnern, Kleinbetrieben, Gaststätten, politischen Gruppen sowie sozialen und kulturellen Projekten aus dem Viertel für die Menschen im Viertel zu gestalten. Einige Beteiligte sahen dieses Ziel 1990 nicht mehr ausreichend verwirklicht.

Der Konflikt macht deutlich, dass es unterschiedliche Vorstellungen vom Nauwieser Fest gab: Auf der einen Seite stand der Wunsch nach einem größeren und für viele Besucher attraktiven Straßenfest, auf der anderen Seite das Ziel eines nachbarschaftlichen, kulturellen und möglichst wenig kommerziellen Stadtteilfestes.

Das fünfte Fest einer neuen Zählung

In einem Bericht aus dem Jahr 1992 wird das Nauwieser-Viertel-Fest als fünfte Ausgabe bezeichnet. Diese Zählung lässt sich schlüssig erklären, wenn 1988 als Neustart einer neuen Veranstaltungsreihe betrachtet wird:

1988 wäre demnach das erste, 1989 das zweite, 1990 das dritte, 1991 das vierte und 1992 das fünfte Fest dieser neuen Reihe gewesen. Die früheren Straßenfeste von 1983 bis 1985 wären in dieser Zählung nicht berücksichtigt worden.

Allerdings verwendete die Presse die Namen und Nummerierungen der verschiedenen Veranstaltungen nicht immer einheitlich. Deshalb werden die historischen Quellen weiterhin einzeln geprüft und miteinander verglichen.

Weitere Recherchen

Für weitere Forschungen, auch zu anderen Geschichten des Viertels, wurde Anfang Oktober 2023 Kontakt zu Andreas Wagner aufgenommen. Andreas Wagner war viele Jahre maßgeblich an der Organisation und Gestaltung des Viertelfests beteiligt. Eine Antwort lag bis zum 11. Juli 2024 noch nicht vor.

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Begrenzungen Nauwieser Viertel

Süden: Stephanstraße/Großherzog-Friedrich-Straße
Westen: Dudweiler Straße
Norden: Bahnstrecke zwischen Dudweiler Straße und Martin-Luther-Straße
Osten: Egon-Reinert-Straße