Alternativökonomie der frühen 1980er
Sie eröffneten im Jahr 1982 den Fahradladen in der Blumenstraße 40 im Nauwieser Viertel
im Rahmen der "Zukunftswerkstatt Saar". Ihr Ziel ist nicht der große Profit, sondern eine Arbeit in
demokratischer Selbstverwaltung.
1984 übernahmen Barbara, Rainer, Chris, Ulrich und Christian
gemeinsam den Fahrradladen und führten ihn über viele Jahre in dieser Besetzung.
Selbstverwaltung ist die Kontrolle von Projekten und Betrieben durch basis- oder räte-demokratisch organisierte Gruppen.
In der Regel sind es Kollektive. In der Alternativbewegung sind es Unternehmen, die von den Mitarbeitern in kollektiver
Selbstverwaltung geleitet werden. Die Unternehmen sind hierarchiefrei und basisdemokratisch.
Entscheidungen werden gleichberechtigt und meist nach dem Konsensprinzip getroffen. Auch die Entscheidungen im Fahrradladen
werden einstimmig getroffen, auch wenn dies etwas länger dauert.
Konsumkritisch sind sie auch: das tagtägliche Konsumverhalten soll geändert werden, indem man möglichst hochwertige Komponenten
und langlebige Räder und Ersatzteile anbietet. Eine kleine Werkstatt, die es dem Kunden erlaubt, selbst
Hand anzulegen, und Kurse, in denen er grundlegende Zusammenhänge erlernt, zeichneten den Fahrradladen in der Anfangszeit aus.
Doch es war nicht einfach und um das Geld für die nötigen Investitionen zusammenzubekommen, beantragte man damals auch Darlehen.
Dann der Umzug in die Nauwieserstraße 19: Der Fahrradladen ist nun Teil des Kultur- und Werkhof
Nauwieser19.
Das Konzept hat sich nicht geändert, man will qualitativ hochwertige Räder und Zubehörteile zu einem guten
Preis-Leistungs-Verhältnis verkaufen. Auch soziale und ökologische Faktoren spielen weiter eine wichtige Rolle:
wo kommen die Räder und die Komponenten her, wie werden sie hergestellt und wie werden die Menschen bezahlt?
Es wurde ein Stundenmodell entwickelt, welches festlegt, wie viele Stunden gearbeitet wird und wie
man sich die Arbeiten aufteilt. Die Arbeitsbereiche sind Beratung und Verkauf, Service und
Reparatur in der Werkstatt, Einkauf, sowie dispositive Arbeiten, also Aufgaben der Unternehmensführung mit Planung,
Organisation und Kontrolle. Dabei setzte man auf eine lose Arbeitsteilung.
Inzwischen wurden die anfänglichen Selbstreparaturtage und Selbsthilfekurse abgeschafft. Man merkte scheinbar, dass
man damit nicht kostendenkend arbeiten konnte oder die Gewinne nicht so hoch ausfielen. Und nachdem Axel, Siegfried, Siggi, Thomas
und Rudi nicht mehr im Fahradladen arbeiteten, ging das Unternehmen den Weg, den viele anfänglich
kapitalismus- und konsumkritische und selbstverwaltete Unternehmen gingen: Es wird
ein ganz "normales" Unternehmen ohne sonderlich gesellschaftskritische Konzepte
oder Strukturen. Heute werden im Fahrradladen einfach Räder verkauft.
Demokratische Selbstverwaltung, Selbstreparaturtage, Alternativbewegungen und günstige Preise sind Vergangenheit.
Und während man früher einfach mal mit einem nicht unbedingt dort gekauften Rad vorbeifuhr, weil z.B. die#
Kette klemmte und es dann hieß: "Hier, da hast du das Werkzeug, du musst einfach nur hier und dort
schrauben", heißt es heute auf der Webseite (05.02.2024): "Leider können wir Reparaturaufträge nur nach Terminvereinbarung
und nur für Fahrräder und Pedelecs entgegennehmen, die aus unserem eigenen Verkauf stammen.
Vielen Dank für euer Verständnis."
Heute, und nicht mehr alternativ geführt, sieht die Zukunft des Ladens nicht rosig aus. Denn es heißt in der SZ
vom 15.02.2025: "Der einst sehr alternativ geführte und selbstverwaltete Fahrradladen in der Nauwieser 19
steckt im Insolvenzeröffnungsverfahren".
Und leider ganz aktuell auf der Site (gesehen: 30.3.2025):" Schweren Herzens müssen wir euch mitteilen, dass
unser Fahrradladen mit sofortiger Wirkung seinen Geschäftsbetrieb einstellt. Die letzten Jahre waren voller
Herausforderungen, und trotz aller Bemühungen war es uns leider nicht möglich, den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Wir möchten uns bei euch von ganzem Herzen bedanken! Eure Treue, euer Vertrauen und die vielen
schönen Begegnungen haben unseren Laden zu etwas Besonderem gemacht.
Ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen."
Wer Probleme mit seinem Fahrrad hat, kann unter anderem hier in St. Johann noch Hilfe finden:
CargoVelo Services Rotenbergstraße 33
Giant Store Großherzog-Friedrich-Straße 8
upcycle bikes Mainzer Straße 50 Im Hinterhof
ADFC Selbsthilfewerkstatt Kronenstraße 1B > Nur SA 12:30–15:00
Nauwieserstraße 19
Beim Film-Icon nahe der "Kurze Straße"
Süden: Stephanstraße/Großherzog-Friedrich-Straße
Westen: Dudweiler Straße
Norden: Bahnstrecke zwischen Dudweiler Straße und Martin-Luther-Straße
Osten: Egon-Reinert-Straße